Diplomfeier 2026: Dem «Ernst des Lebens» ins Gesicht lachen
Im Zusammenhang mit dem (Hoch-)Schulabschluss bekommen junge Menschen – neben einer Reihe gut gemeinter Ratschläge – nicht selten zu hören, dass jetzt der «Ernst des Lebens» beginne. Dieses Klischee nahm Prof. Dr. Michael Coors, Dekan der TRF, als Ausgangspunkt seiner Rede zur diesjährigen Diplomfeier, die am Freitag, 25. September im Fraumünster in Zürich stattfand. Coors zeigte mit Verweis auf Oscar Wildes Theaterstück «The Importance of Being Ernest» auf, dass man der Welt auch nach dem BA-, MA- oder Doktoratsabschluss durchaus mit Humor begegnen könne und solle. Er verwies aber auch darauf, dass die Absolvent:innen, die an jenem Abend ihre Diplome erhielten und mit ihren Familien und Freunden den erfolgreichen Abschluss feiern konnten, ohnehin schon wüssten, dass es im Leben viele ernste Angelegenheiten gebe: «Gerade Ihre Generation steht vor immens ernsten Aufgaben, die weit in das persönliche Leben hineinreichen: Klimakatastrophe; Polarisierung der Gesellschaft; der drohende Zusammenbruch von Demokratien; Kriege, die bis nach Europa hinein massive Auswirkungen haben; schrumpfende Kirchen …» Für den Umgang mit derartigen Herausforderungen empfahl Coors den frisch gebackenen Theolog:innen und Religionswissenschaftler:innen zum Schluss beides: Engagement und Humor.
Fast fünfzig Diplome – und eine ausgezeichnete Maturaarbeit
Bei der Übergabe der Diplome, für die jeweils drei bis vier Personen in Gruppen nach vorne gebeten wurden, verlas Coors die Titel der Abschlussarbeiten. Die Themenvielfalt war beeindruckend und reichte von A wie «‹Agency› durch Stand-Up Comedy – Analyse muslimischer Comedians im deutschsprachigen Raum mittels zwei Fallbeispielen und ‹Teilnehmender Beobachtung›» bis Z wie «Zwei Wirklichkeiten, eine Kirche – Praktisch-theologische Reflexion der pfarramtlichen Tätigkeiten im Spannungsfeld zwischen Weltwirklichkeit und Glaubenswirklichkeit». Im Anschluss an die Diplomübergabe wurde dem Maturanden Emanuel Cahn der Zürcher Theologiepreis 2026 für hervorragende Maturaarbeiten in den Bereichen Theologie, Ethik oder Religionswissenschaft überreicht.
Verleihung der Alumni-Preise 2026 unter grossem Beifall
Zum Abschluss gaben Regula Zwicky und Silvia Huang-Gartmann, die Co-Präsidentinnen der TRF-Alumni, feierlich die Gewinner:innen der diesjährigen Alumni-Preise bekannt. Unter grossem Applaus wurde der Preis im Fachbereich Theologie an Nicolas Graf und jener im Bereich Religionswissenschaft an Jolanda Macdonald übergeben. Grafs Arbeit trägt den Titel: «Vom Fleisch zum Geist – Grundzüge patristischer Exegese und Hermeneutik und ihre Anwendung am Beispiel der Auslegung von Röm 7,14–8,11 des Johannes Chrysostomos», jene von Macdonald: «‹Become the Best Version of Yourself›. Selbstoptimierung und muslimische Influencerinnen – Eine multimodale Analyse im Kontext von YouTube». Die beiden Alumni-Preise werden jährlich vom Alumni-Chapter Theologie und Religionswissenschaft vergeben und sind mit je 500 CHF dotiert.
Weitere Informationen
- Zürcher Theologiepreis 2026 für Emanuel Cahn
- Alumni-Preise des Alumni Chapters Theologie und Religionswissenschaft